Der Marquis von Flandern(Antwerpen, Kloosterstraat, Januar 2017)
Hendriks Lider flattern. »Mir ist so komisch.« Er fährt sich mit der Hand über die Stirn, atmet schwer. »Ich will wissen, ob Sie Dr. Kok sind. Haben Sie jemanden ermordet?« Er schüttelt den Kopf. Vergeblich, die Benommenheit verdankt er mir und sie lässt sich nicht abschütteln.
»Der rutscht dir vom Sofa.« Jorin trinkt sein Glas leer, bevor er Hendrik anstößt. »Hey, Junge!«
Ich bin ein lausiger Gastgeber. »Ich habe dem Wein etwas beigefügt, dass Hendrik schlafen lässt.« Er ist noch nicht bereit, einen Blick in seine Vergangenheit zu werfen. Da sind zu viele Zweifel. Ich werde nicht riskieren, dass er sich erneut entsetzt von mir abwendet.

»Habe ich das Zeug auch im Glas?« Jorin schnuppert an der Neige.

»Unsinn. Nur er.« Ich setze mich zu Hendrik, streichle die Wange, die ich eben geschlagen habe. »Ich wollte ihn nur um mich haben, ihn berühren und mich vergewissern, dass ich dieses Mal nicht zu spät gekommen bin.« Ich sehne mich so sehr nach ein paar hellen Jahren an seiner Seite.

»Willst du ihn vernaschen?«

Wenn Jorin grinst, so wie jetzt, sieht er gruseliger aus als meine Konterfeis in den gotischen Kirchen.

»Du bist der Verführer. Also los, sonst schadest du deinem Ruf.«

»Er würde kaum etwas davon mitbekommen.«

Jorin steht auf, beugt sich über Hendrik und hebt dessen Lid an. »So ganz weggetreten ist er nicht. Vielleicht versteht er uns sogar.« Er tritt vor mich, legt mir die Hand auf die Schulter. »Wie willst du ihm das hier verschweigen? Du hast ihn in dein Geheimnis blicken lassen.«

»Indem ich ihn nachher mit deiner Hilfe über die Straße trage und er morgens in seinem Bett aufwachen wird.« Für ihn wird es nur ein Traum sein.

»Er hat noch nicht alle Briefe gelesen. Auf dem Tisch lagen nur drei Abschriften.«

»Weshalb zögert er?«

»Eventuell hat er Angst und schiebt es unterbewusst auf die lange Bank. Wir hätten Marten früher beseitigen müssen. Ohne diese verdammten Schriftstücke hätte dir Hendrik unvoreingenommen begegnen können.«

»Nein, die Briefe bereiten ihn für die Wahrheit vor.«

»Dann hast du sie dir absichtlich von Marten stehlen lassen?«

»Ich habe sie ihm anvertraut. Einen nach dem anderen. Bis zum Schluss schlug er panisch das Kreuz, wenn ich auf seiner Schwelle auftauchte.« Ich rechnete damit, dass er sie verbrannte. Doch er hat es nicht getan.

»Warum?« Jorin hebt in einer ratlosen Geste die Hände. »Marten hasste dich!«

Dennoch verband uns etwas. Hendrik. Über mittlerweile fünf Leben hindurch. Drei davon waren umsonst. Ich erhaschte nicht mehr als einen Blick auf ihn. Eine flüchtige Berührung oder den letzten Moment vor dem Sterben. Sie zählen nicht.

»Langsam wirst du sonderbar.« Kopfschüttelnd gießt sich Jorin Wein nach. »Ich lasse euch allein. Mach mit ihm, was du willst. Wenn du fertig bist, helfe ich dir beim Rübertragen.«

»Danke.«

»Dafür nicht.« In der Tür dreht er sich noch einmal zu mir herum. »Bleiben wir hier wohnen, oder ist das jetzt zu riskant?«

»Wir bleiben hier.« Umzüge sind mir seit jeher lästig gewesen. »Du hältst dich bedeckt und ich veranstalte einen kleinen Mummenschanz.« Es ist leicht, das menschliche Auge zu täuschen.

Ich warte, bis Jorin gegangen ist, ehe ich Hendriks Pullover hochschiebe und mich in den Anblick seines flachen Bauches vertiefe. Die Spur der Härchen, die zum Nabel führt, der Nabel als solches. Ich ziehe mit der Fingerspitze einen Kreis darum. Hendrik ist dünner als damals. Dabei sind die Zeiten fetter.

Ich befreie seinen Oberkörper bis über die Brustwarzen. Die Höfe sind kleiner, doch die Nippel verführen meine Zunge ebenso, wie bei unserer ersten Begegnung.

Hendrik stöhnt leise unter meiner Liebkosung.

Ich ziehe ihm den Pullover aus, schmiege mich an die nackte Brust. Ihr Duft betört mich. Ich habe ihn so lange vermisst. Auch wenn er eine andere Note angenommen hat.

Ganz und gar berauschend.

Ich küsse mich über seine Kehle hoch zu seinem Kinn. Das Gesicht ist schmaler, die Haare sind etwas dunkler, dafür seidiger. Ich lasse sie durch meine Finger gleiten, schnuppere an ihnen.

»Bitte öffne deine Augen.« Sacht zeichne ich mit dem Daumen die Kontur seiner Lippen nach. »Ich will dich verführen und meine Skrupellosigkeit reicht nicht, um einen Ohnmächtigen zu vögeln.« Zumindest nicht in diesem Fall.

Er runzelt die Stirn. Ich ahne die Anstrengung, die es ihn kostet, die Lider zu heben, doch er schafft es. Sein Blick ist verschleiert, was er dem Elixier in seinem Wein verdankt.

Haselnussbraune Augen. Wie in jedem seiner Leben.

Er versucht, etwas zu sagen. Ich verschließe seine Lippen mit einem Kuss.

»Ich will dich fühlen.« Das kann ich am besten nackt. Langsam entkleide ich mich. Er sieht mir dabei zu. Seine Pupillen weiten sich. Als ich meine Jeans von den Hüften streife, seufzt er.

Ich knie mich über ihn, tippe mit meiner Spitze an seine Lippen, massiere sie damit. Hendriks Zustand lässt es nicht zu, mich in den Mund zu nehmen, nur sein Blick verrät, was in ihm vorgeht.

Es erregt mich, ihn so hilflos vor mir liegen zu sehen. Ebenso wie sein Atem, der meinen hart werdenden Schwanz streichelt.

Mit dem Finger öffne ich seine Lippen, schiebe mich hinein. Seine Zähne schrammen über meine empfindliche Haut.

Ich spüre seine Zunge. Sie schmiegt sich an meine Spitze.

»Ich dachte, ich hätte dich betäubt, doch anscheinend war ich mit der Dosis zu sparsam.«

Ein wenig tiefer. Ich höre mich stöhnen, erkenne das Echo in Hendriks verklärtem Blick. Ich stütze sein Kinn, drücke es nach oben. Ein lustvoller Schmerz durchfährt mich. »Ich liebe deine Zähne.« Während ich sacht seinen Mund vögele, reibe ich mich an ihnen.

Ich kann nicht mehr leise sein. Lust pulsiert in meinem Unterleib, breitet sich aus, elektrisiert mich. Ich habe so lange auf diese intimen Momente gewartet. Ich lasse meinen Schwanz aus seinem Mund gleiten, streife Hendrik Schuhe und Socken von den Füßen. Ich knöpfe seine Jeans auf, streiche über die Beule. Sie ist hart. Bevor ich seine Erektion vollständig aus ihrem Gefängnis befreie, beiße ich sie durch den festen Stoff.

Hendrik stöhnt auf. So kehlig, so tief.

Ich beiße ihn ein zweites Mal.

Ein Beben geht durch seinen Körper.

Seine Spitze wird feucht. Sie lugt aus dem Reißverschluss. Ich lecke sie ab, sauge an ihr.

Die Laute, die er ausstößt, lassen auch mich tropfen. Immer wieder lecke ich über die Eichel, lasse sie meine Zähne spüren, bis sich Hendrik aufbäumt. Er will nach mir greifen. Seine Arme gehorchen ihm nicht, sinken hinab.

Ich ziehe ihm die Hose aus, winkele seine Beine an. Mein Speichel muss ihm genügen. Gel habe ich nicht zur Hand.

Ich dringe mit der Zunge in ihn ein.

Sein Keuchen ist Musik in meinen Ohren.

Kann nicht mehr warten. Der Lustschmerz ist unerträglich. Meine Spitze presst sich gegen seinen Muskel, dringt mühsam ein. Er ist so eng.

»Entspanne dich.«

Hendrik verzieht im Schmerz das Gesicht, schließt die Augen.

Ihm Zeit einräumen, um sich an mich zu gewöhnen. Ich meditiere diesen hehren Vorsatz, verwerfe ihn im selben Moment.

Zwinge meine Härte tief in ihn hinein, küsse ihm das Wimmern von den Lippen. »Verzeih mir. Nur noch ein wenig, dann wirst du es genießen.« Ich versenke mich in ihm, entlasse meine Lust als rauen Schrei. Immer schneller, immer heftiger nehme ich meinen geliebte Hendrik.

Seine Erektion beginnt zu zucken. Er ergießt sich über seinen Bauch. Ich lasse jede Rücksicht fahren, kralle mich in seine Schenkel, während ich Hendrik mit meinem Samen fülle. Ein Rausch, so intensiv, dass er mein Herz erschüttert und mir den Atem raubt.

»Ich liebe dich.« Erschöpft sinke ich auf ihn. Ich lecke ihm den Schweiß von der Kehle, sauge die zarte Haut über seinen Schlüsselbeinen in meinen Mund. »Bitte, erkenne mich als deinen Freund und nicht als deinen Feind.«

Er ringt nach Atem. Ich spüre das Nachbeben seiner Lenden an meinen.

»Ich wünschte, du könntest hierbleiben. Ich wünschte, du würdest in der Frühe erwachen und dich an mich erinnern.«

Jorin klopft an der Tür. »Rouven, es wird Zeit.« Leise betritt er den Raum. »Der wacht dir sonst auf.«

Ich bin müde, will mich nicht bewegen.

»Geh duschen.«

Wie warm sich Jorins Hand auf meinem Rücken anfühlt.

»Ich kümmere mich um Hendrik.«

»Ich war grob zu ihm.« Mühsam rappele ich mich auf. »Sieh nach, ob ich ihn verletzt habe.«

»So wie es aussieht, hat er es genossen.« Mit dem Finger fährt Jorin über die Schlieren auf Hendriks Bauch.

Mir wird schwindelig beim Aufstehen. Für einen Moment lehne ich mich an Jorin, warte, bis die Lichtblitze vor meinen Augen verschwinden.

»Sag es ihm doch.«

Er klingt sanft wie ein gutmütiger Vater.

»Später.« Mir fehlt der Mut.

Auf dem Weg ins Badezimmer zieht bereits der Abschied in mir. Morgen werde Hendrik als Fremder gegenüberstehen, ihn glauben machen, er hätte nur geträumt. Er muss die Briefe lesen. Vielleicht versteht er dann, warum die erste Nacht in Groenval mit all ihren Schrecken und Schmerzen sein musste. Damals hat er mir verziehen. Hoffentlich kann er es auch dieses Mal.

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