Don't kiss, just driveTeshi richtet sich auf, sieht an mir vorbei zur Tür.
»Scheint so, als würde er doch nicht zusehen wollen.« Mir soll’s recht sein.
»Er ist fort.« Er zieht die Beine an, schlingt die Arme um die Knie. »Wir sind allein.«
Er wirkt verloren. Unendlich traurig. Weil dieses Arschloch gegangen ist? »Es ist besser, ich gehe auch.« Die Stimmung ist hinüber. Ich bin zu verwirrt, um ihm das zu geben, was er ursprünglich wollte.

»Das kannst du nicht.« Er streckt die Hand nach mir aus und ich nehme sie. »Du hast ihn gehört.«

»War das sein Ernst?« Wie soll ich jede Sekunde meines Lebens bei ihm sein? Es gibt Persönliches, da ist man gern unter sich. Es gibt Nelly. Der ich ohnehin noch erklären muss, dass ich für ungewisse Zeit im Ausland bin.

»Es war sein Ernst.« Teshi zieht mich zu sich aufs Bett. »So lange dein Leben währt, gehört es mir.«

»Und wenn ich das nicht will?«

»Werde ich dich küssen.« Er tippt mit der Fingerspitze auf meine Lippen. »Dorthin.«

Es ist unangebracht, aber ich muss grinsen. »Du scheinst ein miserabler Küsser zu sein, wenn du damit drohst.«

»Ich bin ein begnadeter Küsser.« Er streift mir die Jacke ab, zupft mein Shirt aus dem Hosenbund. Seine Finger streichen sanft über meine Seiten, meinen Rücken hinauf. Sehr geschickt befreit er mich von Pullover und Shirt. Einen Augenblick verharrt er, lässt seinen Blick über meinen Oberkörper schweifen. »Du bist stark.«

»Es gab eine Zeit, da war das nötig.«

»Sie ist noch da.« Er setzt sich auf meinen Schoß, schlingt die Beine um meine Mitte. Ich spüre seine Erregung an meiner. Genieße die Hitze, die in mir aufsteigt.

Seine Lippen liebkosen meine Schläfe, seine Fingernägel kratzen fest über meinen Rücken. Mir entkommt ein Zischen. Ein seltsames Gefühl, wenn sich Grausamkeit mit Sanftheit paart.

»Versprich mir, dass du jeden Augenblick mit mir genießen wirst«, wispert er mir ins Ohr. Er beißt hinein, ich knurre vor Schmerz.

Er drückt mich nach unten, thront auf meiner Mitte. Er reibt sich an ihr, schrammt immer heftiger mit seinem zuckersüßen Hintern über meine wachsende Erektion.

Ich halte ihn an den Hüften fest. »Ich dachte, du willst noch etwas von mir haben?« Wenn er so weiter macht, brauche ich eine Pause, bevor wir begonnen haben.

»Dieses Mal ist es das Herz.« Er klingt atemlos. »Es schmerzt, schlägt in mir in einem fremden Takt.« Er legt den Kopf in den Nacken, stöhnt heiser auf. »Ich kann es kaum ertragen«, keucht er, während seine Bewegungen wilder werden. »Senpai hat sich geweigert, mir zu helfen. Also musst du es tun.«

Mir wird schwindelig vor Lust. Von welchem Schmerz spricht er?

»Bitte«, fleht er. »Liebe mich so, dass ich alles vergesse.« Er krallt seine Hände in die eigene Brust.

Der Anblick erschüttert mich.

Etwas zerrt an mir. Ein Gefühl, nach vorn geschleudert zu werden, aus mir heraus, in etwas anderes, unkontrollierbares hinein. Ich drehe ihn unter mich, reiße ihm die Hose von den Beinen.

Teshis Blick verklärt sich, dennoch presst er beide Hände auf sein Herz. Ich ziehe sie weg, stürze mich auf seine Brust, bedecke sie wie im Fond des Wagens mit Bissen und Küssen. Seinen Nippel sauge ich so tief ein, wie ich kann. Teshi wimmert, doch das genügt mir nicht. Ich nehme die empfindliche Haut zwischen meine Zähne, ziehe daran.

Teshi schreit auf. Erschrocken, lustvoll, schmerzerfüllt. Kann es nicht unterscheiden. Ich lecke über die winzige Wunde, die er mir verdankt, traktiere seine Kehle mit einer Wildheit, die mir fremd ist.

Dieses fremde Etwas rast in mir, tobt sich an dem Mann unter mir aus, der sich schluchzend windet, und dennoch aus seiner Spitze tropft.

Auch ihr widme ich mich. Mit derselben Wucht. Es vergehen nur Sekunden, bevor es mir in den Rachen spritzt.

Nur einen Moment Pause, in dem wir uns ansehen. Er weiß, dass ich noch lange nicht mit ihm fertig bin.

Er ist wundervoll. In seiner Lust, in seiner Erschöpfung. Und wenn ich hundert Jahre werden sollte, ich werde jede Sekunde lieben, in der ich bei ihm bin.

Ich streichle ihm den Schweiß von der Stirn, lasse ihn zu Atem kommen. Noch bevor meine Hände zu seinen Schenkeln wandern, sagen mir seine dunklen Augen, dass er bereit ist.

 

»Bleib stehen!« Ich ziele. Auf seinen Rücken? Gott! Auf seine Beine. 

Nuri gehorcht, dreht sich zu mir. Sein Blick findet meinen. Über den Lauf meines Gewehres hinweg. Ich lasse es sinken.

Ein ohrenbetäubender Knall. Dort, wo Nuri stand, ballt sich Staub. 

 

Ich schrecke auf. Der Schrei klingt nach mir, doch meine Kehle ist zu trocken, um auch nur irgendeinen Laut von sich zu geben.

Teshi liegt neben mir. Neben ihm, die Beine leger übereinander geschlagen, sitzt Cutter. Eine Zigarette im Mundwinkel, seine Augen leicht zusammengekniffen, um sie vor dem aufsteigenden Rauch zu schützen. Er zieht behutsam die Decke von Teshi, betrachtet dessen von mir gezeichneten Körper. »Er liebt es so«, nuschelt er am Filter vorbei. »Aber in manchen Momenten, braucht er es so zärtlich, dass ihm der Flügelschlag eines Schmetterlings genügen würde.« Unendlich sanft lässt er seine Finger über die Male gleiten.

Teshi seufzt leise. Ein Lächeln erhellt seine Miene, doch er schläft weiter.

»Ich bedauere es, die Reise nach Paris wurde gecancelt.« Endlich nimmt er die Zigarette aus dem Mund. »Ein dringender Termin in der Stadt. Wir können ihn nicht verschieben.«

»Sagt wer?« Es widert mich an, wie der Kerl über Teshis Leben bestimmt.

»Ich.« Er wirft mir einen Umschlag zu. Wattiert, recht groß. »Gib ihm den, wenn er aufwacht.«

»Ich muss nach Hause.« Ich werfe den Umschlag zurück. Cutter fängt ihn, hebt die Brauen.

»Nur kurz«, lenke ich ein. Spontan fällt mir dieser seltsame Vertrag ein. »Ich will noch ein paar Dinge mit meiner Tante klären. Sonst macht sie sich Sorgen.«

Langsam entlässt er den Rauch aus seiner Lunge, drückt die Zigarette im Aschenbecher auf dem Nachttisch aus. »Gestern habe ich im Zorn gesprochen.«

»Das heißt?«

»Dass du über deine Zeit frei verfügen kannst, es sei denn, Teshi bedarf deiner Dienste.« Ein flüchtiges Lächeln zeigt sich in dem strengen Gesicht. »Da er schläft, scheint es nicht so zu sein. Doch heute Nacht solltest du dich bereithalten.«

»Kein Problem.« Ich springe aus dem Bett, stürze mich in meine Kleidung. Ich werde zu Hause duschen, mir Nellys Vorhaltungen anhören und zurückkommen. Mir passt es nicht, Teshi länger als nötig mit diesem Kerl allein zu lassen.

»Nimm dir Zeit.« Cutter lächelt schmal.

Ich kann nicht anders. Ich zeige ihm den Mittelfinger, was leider nicht dazu ausreicht, dass er auch nur im Geringsten die Miene verzieht.

Auf dem Weg nach Hause haftet mein Denken an Teshi. Mit welcher Hingabe er sich auf mich eingelassen hat. Der Ausdruck seiner Augen, als sich Schmerz mit Lust vermischten und er hilflos in diesem Zustand gefangen war.

Ich war nie sonderlich grob zu meinen Partnern. Was hat mich in der Nacht bloß geritten? Im Nachhinein kommt es mir vor wie ein Rausch. Als wäre ich nicht ich selbst gewesen.

Der Flug nach Paris wurde gecancelt. Nein, die Reise an sich.

Dass dieser Mistkerl ständig in Teshis Leben pfuschen muss.

Nelly sitzt in der Küche, als ich die Wohnung betrete.

»Komm her, Junge!«, ruft sie fröhlich. »Rate mal, wer vorhin hier war?«

»Keinen Schimmer, aber ich muss mit dir reden.«

»Warum hast du mir nie von Major Segador erzählt?« Ihre Augen leuchten wie die eines frisch verliebten Mädchens. »Er lässt dich grüßen, hatte aber leider keine Zeit, auf dich zu warten.«

»Major Segador?« Wer soll das sein?

»Er wusste so viel über dich.« Sie steht auf, tänzelt um den Küchentisch. »Er sagt, er hat dich in Afghanistan kennen und schätzen gelernt.« Das zweite Verb betont sie mit unverhohlenem Stolz. »Ich habe ja immer gesagt, dass du im Grunde deines Herzens ein Held bist. Ganz egal, was die Idioten vom …«

»Nelly, dieser Mann ist mir unbekannt.« Zumindest hat er sich mir nie vorgestellt. »Was wollte er?«

»Dich sehen. Da das nicht ging, habe ich ihm eine Tasse Tee angeboten und wir haben geplaudert.« Erneut tritt dieser Glanz in ihre Augen. »Dann ist er wieder gegangen.«

»Einfach so?« Wie oft habe ich ihr gepredigt, sie soll Fremden nicht die Tür öffnen.

»Nein.« Sie lächelt versonnen. »Vorher hat er darum gebeten, die Toilette benutzen zu dürfen.«

»Hat er etwas gestohlen?«

»Bei uns?« Sie sieht mich an, als ob ich gescherzt hätte. »Was denn? Unser Fernseher ist old school, dein Laptop betagt genug, um schützenswert zu sein, und bis auf ein paar Dollar Bargeld ist nichts Wertvolles in der Wohnung.« Sie legt ihre Hand auf meinen Arm. »Jacob, denk nach. Du kennst ihn ganz bestimmt. Er wusste sogar, wie der Junge hieß, den du damals hast davonkommen lassen.«

Ich durchpflüge mein Hirn nach dem spanisch klingenden Namen.

Nichts. Absolut nichts.

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